Ich schlachte ein Huhn

Ich schlachte ein Huhn

2. August 2018 0 Von Karl Werner Schmitz

Sarah Wiener wollte von mir einmal wissen, wie Sie Haptik bei Vorträgen nutzen kann. Sie war damals intensiv unterwegs gegen Massentierhaltung. Da kam mir folgende Idee und ich fragte Sie: „Was glaubst Du, wie intensiv ist es für das Publikum, wenn du Ihnen sagst: „Ich schlachte ein Huhn.“ Auf einer Skala von 1-10? Das war eine gesagte Information. Nun zum Sehen. Du zeigst dem Publikum ein Bild von einem Huhn, was gerade geschlachtet wird. Auf einer Skala von 1-10? Das zum Sehen. Nun die Kombination ein kleiner FIlm mit Ton? Skala 1-10. Dann holst Du ein paar Hühner im Käfig, eine Axt und einen Hauklotz auf die Bühne. Wie hoch ist jetzt die Intensentät der Information? Du schlachtest das Huhn auf der Bühne. Skala 1-10.

Warte – Es geht noch weiter, du holst jemand aus dem Publikum, der noch nie ein Huhn geschlachtet hat und forderst ihn auf, das nächste Huhn zu schlachten. Wie hoch ist die Intensität? Für das Publikum und für ihn? Wenn er einen Pulsmesser an hätte, würdest Du sehen, wie sehr er gerade versteht und auch das Publikum. Das wäre Haptisches Lernen in Perfektion im Fach „Wie schlachte ich ein Huhn.“ Sarah Wiener hat übrigens von der Idee keinen Gebrauch gemacht, aber Sie hat verstanden, wie intensiv die Haptik wirkt.
 

Achtung – Wenn Sie dieses Bild direkt gesehen hätten, wäre Ihre Auffassung der oben stehenden Informationen sofort anders gewesen. John Bargh hat das in vielen Experimenten bewiesen und es Priming genannt.

Sorry, für das etwas dramatische Beispiel, aber ich hoffe, dass Sie dadurch selbst intensiver erkennen, wie wichtig die eigene körperiche, direkte oder indirekte Erfahrung ist, um Informationen wirklich richtig zu verstehen. (Übrigens – Deutschland schlachtet 1,6 Mio Hühner täglich)

Wenn Sie Ihre Kunden also überzeugen wollen, fragen Sie sich einmal, wie Intensiv ist meine Information in einer Skala von 1-10 für meinen Kunden. Kann er die Information direkt oder indirekt mit-machen, selbst erleben und begreifen? Denn gesagt und gehört ist nicht genug. Lassen Sie Ihre Kunden begreifen. Denken Sie sie an Informations-Intensität.

Wie kann man eine Gedanken Richtigkeit verleihen,
wenn man nicht über die körperliche Erfahrung verfügt.

Moshe Feldenkrais